Makart im Belvedere

Im Auftrag der Erben nach Valerie Karplus verfasste rechtliche Analyse (Auszug):

Valerie Karplus
NSDAP Ausweis Dr. Kaupa

Hans Makart „Der Einzug Karls V. in Antwerpen“

SUMMARY:

There are good legal grounds and evidence that the attorney, Dr. Johann Kaupa, was not authorised to sell the painting, in addition to the fact that he had the painting in his possession based on the measures taken by the Nazi state. Dr. Kaupa was a member of the National Socialist Party and the NS-Rechtswahrerbund. The burden of proof (duty to produce counter evidence) is on the Republic of Austria. The Republic of Austria would not have been able to acquire the painting, absent the power of disposal from Dr. Kaupa and the lack of integrity of the responsible parties at the Belvedere. Recommended are:

1. Application by the Austrian Art Restitution Advisory Board (Kunstrückgabebeirat) of the Federal Ministry of Education, Art and Culture, by submitting a recommendation for restitution (Restitutionsempfehlung) to the Minister in accordance with the Law for the Return of Art (1998).

2. Alternatively (eventually), file a lawsuit suing for ownership (Eigentumsklage) in the appropriate court.

ZUSAMMENFASSUNG:

Es gibt gute Gründe und Belege, dass Rechtsanwalt Dr. Johann Kaupa zum Verkauf des Gemäldes nicht befugt war, weiters dass er allein aufgrund von Maßnahmen des NS-Staates das Gemälde in die Hände bekam. Dr. Kaupa war Mitglied der NSDAP und des NS-Rechtswahrerbundes. Die Beweislast (Pflicht zur Erbringung des Gegenbeweises) liegt vorwiegend bei der Republik Österreich. Ohne Verfügungsbefugnis von Dr. Kaupa war es mangels Redlichkeit der Verantwortlichen des Belvedere der Republik Österreich nicht möglich, Eigentum am Gemälde zu erwerben. Empfohlen werden:

1. Antragstellung beim Kunstrückgabebeirat des Bundesministeriums für Unterricht, Kunst und Kultur zwecks Restitutionsempfehlung an die Frau Bundesminister gemäß Kunstrückgabegesetz 1998.

2. Hilfsweise (eventualiter) Einbringung der Eigentumsklage beim ordentlichen Gericht.

SACHVERHALT:

Als wesentliche Tatsachengrundlage ist festzuhalten, dass das Gemälde im Eigentum von Valerie Karplus bis zu ihrem Tode am 11.01.1938 stand, die es von ihrem Vater Leopold Lieben im Erbweg erhalten hatte, sowie dass die Söhne Eduard, Walter und Heinrich Karplus zu je 1/3 Erben von Valerie Karplus wurden (Einantwortungs-Urkunde vom 28.12.1938). Der Rechtsanwalt Dr. Johann Kaupa, Wien XVII, Bergsteiggasse 32, war in die Abhandlung der Verlassenschaft nach Valerie Karplus eingebunden (handschriftliche ZV auf der Einantwortungs-Urkunde vom 28.12.1938), wobei unklar bleibt, wie genau Dr. Kaupa zu der Sache kam. Dr. Kaupa war jedenfalls Mitglied der NSDAP und des NSRechtswahrerbundes (diverse Unterlagen aus Akten des Reichsjustizministeriums und der Kommission nach § 19 Verbotsgesetz 1947). Rechtsvertreter der Familie Karplus war bis zum Anschluss der Rechtsanwalt und Verwandte Dr. Robert Karplus (Todfallsaufnahme Dr. Johann Paul Karplus vom 27.02.1936, Todfallsaufnahme Valerie Karplus vom 22.01.1938). Dr. Robert Karplus musste nach dem Anschluss emigrieren. Es sind keine Unterlagen oder Informationen vorhanden, wonach jemand aus der Familie Karplus dem Dr. Kaupa Vollmacht erteilt hätte. Angesichts der NSDAP-Mitgliedschaft von Dr. Kaupa ist dies auch sehr unwahrscheinlich. Da die Söhne Eduard, Walter und Heinrich sich in den USA bzw. in Palästina befanden, könnte Dr. Kaupa ein gerichtlich bestellter Abwesenheitskurator gewesen sein. Ebenso möglich ist, dass es sich um einen durch die nationalsozialistischen Stellen eingesetzten Funktionär zur „Sicherung jüdischen Vermögens“ gehandelt hat. Jedenfalls wurde die Wohnung der verstorbenen Valerie Karplus im Palais Auspitz-Lieben, Wien I., Oppolzergasse 6, in der sich das Gemälde befunden hatte, gleich nach dem Anschluss behördlich versiegelt. Die Erben Eduard, Walter und Heinrich Karplus hatten über den Verbleib des Gemäldes keine Kenntnis. Sie nahmen unrichtig an, dieses wäre anläßlich eines von Valerie Karplus im Jahre 1937 versendeten Lifts zusammen mit dem übrigen Inhalt beim Transport nach den USA verloren gegangen (Schreiben Prof. Dr. Heinrich Karplus vom 20.12.1978). Möglicher Weise verblieb es in Österreich, weil keine Ausfuhrgenehmigung vorlag. Anläßlich der Verlassenschaftsabhandlung beim Bezirksgericht Innere Stadt Wien wurde das Gemälde nicht ausdrücklich erfasst, es findet sich u.a. nur eine Bemerkung „Wohnungseinrichtung“ (Todfallsaufnahme Valerie Karplus vom 22.01.1938). Unterlagen über den Verbleib der in der Wohnung befindlichen Sachen liegen nicht vor. Später wurde bekannt, dass das Gemälde während des Krieges in der Kanzlei von Dr. Kaupa hing.


Im November 1949 findet sich das Gemälde in der Restaurieranstalt der Gemäldegalerie des Kunsthistorischen Museums in Wien, wo es sich offenbar seit Jahren befunden hatte (Aktenvermerk „Balke“ 08.11.1949, Übernahmsbestätigung, vermutlich Februar 1951, der Direktion der Österreichischen Galerie, Schreiben des Direktors der Österreichischen Galerie an das BM für Unterricht vom 03.02.1951). Aus Korrespondenz und anderen Unterlagen aus dem Belvedere aus der Zeit zwischen November 1949 und Februar 1951 (12 Fotokopien aus dem Archiv des Belvedere) ergibt sich, dass Dr. Kaupa das Gemälde der Österreichischen Galerie Belvedere anbot und schließlich nach Schätzung zu einem Preis von ATS 6.250,- verkaufte. Das Gemälde wurde von der Restaurieranstalt des Kunsthistorischen Museums im Februar 1951 direkt an die Österreichischen Galerie Belvedere übergeben. In den Unterlagen des Belvedere findet sich die Erwähnung „Besitz Dr. Karplus“. Im Widerspruch dazu lautet es im Schreiben von Dr. Kaupa vom 02.02.1951: „Betrifft: Dr. Kaupa privat“. Auch die Rechnung über den Ankauf vom 02.02.1951 wurde durch Dr. Kaupa ohne Bezugnahme auf einen Auftraggeber ausgestellt. Ohne die Eigentümerschaft am Gemälde klar auszudrücken, versicherte Dr. Kaupa mit Schreiben vom 02.02.1951seine angebliche Verfügungsberechtigung. Dort lautet es: „Ich übertrage hiemit das Eigentum … und bestätige, daß dieses Gemälde nicht während des zweiten Weltkrieges arisiert worden ist und daß ich ordnungsgemäß zum Verkauf des Bildes befugt bin.“ Angesichts der früheren NSDAP-Mitgliedschaft von Dr. Kaupa ist diese Zusicherung nicht glaubhaft.

Erst im Jahre 1978 erfuhr der in Israel lebende Erbe Prof. Dr. Heinrich Karplus von Freunden, dass sich das Gemälde im Belvedere befand. Nach einem Besuch im Belvedere und einem Ersuchen an die Direktion teilte der Direktor Dr. Aurenhammer mit, das Gemälde sei gehörig von den Rechtsanwälten Dr. Kaupa – Dr. Neubauer im Jahre 1951 von der Österreichischen Galerie erworben worden (Schreiben Prof. Dr. Heinrich Karplus
20.12.1978, Schreiben Dr. Hans Aurenhammer, 29.12.1971/richtig wohl 1978).


Weitere Unterlagen oder wesentliche Informationen liegen nicht vor. Insbesondere sind keine Dokumente verfügbar, wonach die Übertragung des Gemäldes an die Republik Österreich im Jahre 1951 im Zusammenhang mit Ausfuhrbewilligungen betreffend andere Kunstgegenstände erfolgte.

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