Bilderausstellung in Lokalen

Restaurant muss Benützungsentgelt zahlen

von Andreas Cwitkovits ("Vernissage" von 03/09

Gericht entscheidet für Künstlerin

Das Landesgericht für Zivilrechtssachen Wien als Berufungsgericht hat eine weitreichende Grundsatzentscheidung getroffen, die besonders junge und noch wenig etablierte Künstler freuen wird: Gasthäuser, Bars, Hotels etc., wohl aber auch andere Betriebe mit Kundenverkehr, wie etwa Arztpraxen oder Rechtsanwaltskanzleien, müssen für die Ausstellung von Kunstwerken Benützungsentgelt zahlen, eine Art außervertraglicher Miete, es sei denn, das Gegenteil wäre klar ausgemacht und auch beweisbar. Im jetzt entschiedenen Fall hatte die Künstlerin anlässlich einer Präsentation einen Herrn kennen gelernt, der sich als gleichfalls Künstler ausgab und im ferneren Bekanntenkreis auf den klingenden Spitznamen „Piccolo Picasso“ hörte. Der Herr bot der Künstlerin an, Möglichkeiten zur Ausstellung ihrer Werke zu vermitteln und schnell begab man sich in Richtung des von einem Bekannten betriebenen Lokals, um die dortigen Gasträume für die Hängung von etlichen Gemälden in Aussicht zu nehmen. Nachdem „Piccolo Picasso“ vom Restaurantbetreiber angeblich eine nicht geringe Summe an „Kaution“ abkassiert hatte (wovon freilich die Künstlerin nichts wusste), wurden die Bilder herbeigebracht und an den Gastraumwänden montiert. Die Rede war vom Verbleib der Stücke über zwei Monate, aber sonst wurde so gut wie nichts weiter vereinbart. Die Zeit verging und schließlich wollte die Künstlerin ihre Werke wieder abholen, doch der Wirt verwehrte dies mit Hinweis auf die an den Vermittler gezahlte Kaution, die er nun von der Künstlerin wiederhaben wollte. Man prozessierte über Jahre und letztlich entschied das Rechtsmittelgericht, die mit „Piccolo Picasso“ vorgenommene Geldtransaktion gehe die Künstlerin nichts an. Der Lokalbetreiber müsse die Gemälde bedingungslos heraus geben und noch dazu habe er für die jahrelange Hängung angemessenes Benützungsentgelt an die Künstlerin zu bezahlen. Schließlich hätten die Bilder das Restaurant geschmückt und wäre die Notwendigkeit einer (sozusagen den Durst und den Appetit der Gäste anregenden) anderweitigen Dekoration erspart geblieben. Derzeit läuft das Verfahren bei der ersten Instanz weiter zwecks Ermittlung der Höhe des zustehenden Entgelts.      

Ausstellung „junger Kunst“ und „Künstler-Workshops"

Viele aufstrebende Kunstschaffende kennen die Situation: Man braucht Öffentlichkeit und vor allem die Chance, an einem attraktiven Ort ausstellen zu können. Möglichst sollen dabei Verkäufe zustande kommen. Das eine oder andere Lokal zu finden (eine Bar, eine Pizzeria, ein Gasthaus, eine eben gegründete Galerie), wo sich der Betreiber bereit findet, ist nicht allzu schwer. Der Künstler hängt die Bilder auf, dazu noch Schildchen mit dem jeweiligen Titel und den in Aussicht genommenen Verkaufspreisen. Meist folgt eine Vernissage, bei der man mehr oder weniger kaufinteressierte Bekannte einlädt und schließlich bleiben die Bilder an Ort und Stelle hängen. Mit dem Lokalbetreiber wird so gut wie nichts ausgemacht, schon gar nicht schriftlich. Trotzdem geht der Wirt davon aus, dass er an etwaigen Erlösen beteiligt wird, er also für die Zurverfügungstellung seiner Wände eine „Provision“ bekommt. Dies, weil bei einer früheren Ausstellung mit einem anderen Künstlers es schon einmal so gemacht wurde oder weil es angeblich so üblich wäre. Der Künstler hofft weiter auf Verkäufe und ahnt nichts von den Vorstellungen des Lokalbetreibers. Ähnliche Verwicklungen ereignen sich im Anschluss an sogenannte „Künstler-Workshops“, die gelegentlich in Hotels, Thermen oder anderen touristischen Betrieben stattfinden. Man lädt Künstler ein, vor Publikum direkt am Ort Kunstwerke (Bilder, Skulpturen) anzufertigen. Selten werden die Bedingungen für solche Aktionen vorab vereinbart. Der Hotelier stellt dem schaffenden Künstler ein Mittagessen bereit und läßt ihn in seinem kunstsinnigen Hause gratis nächtigen. Der Künstler reist ab und belässt seine Schöpfung „vorläufig“ im Foyer oder Speisezimmer, zumeist in der Hoffnung, es werde sich am prominenten Ort doch früher oder später ein Käufer finden. Keinen Zweifel hat er, dass das geschaffene Werk sein Eigentum sei und er es jederzeit zu einem späteren Zeitpunkt abholen könne.

Ärgernisse auf beiden Seiten

Die Geschehnisse nehmen ihren typischen Verlauf. Selten finden die ausgestellten Werke reißenden Absatz. Nur zu oft findet keines der Stücke einen Käufer. Der Künstler verdächtigt den Lokalbetreiber, kunstinteressierte Gäste nicht gehörig festzuhalten und dem Künstler Kaufinteressenten zu verheimlichen. Oder es wird der Vorwurf erhoben, das Lokal werde von den falschen Gästen besucht und der Wirt habe dies von Anfang an absichtlich verschwiegen. Der Wirt andererseits sieht seine Erwartungen enttäuscht, mit dem Verkauf der Bilder eine „Provision“ zu verdienen. Oder das eine oder andere Stück wird doch verkauft, allerdings denkt der Künstler nicht daran, den Wirt am Erlös zu beteiligen. War ja nicht ausgemacht. Schließlich möchte der Künstler seine Bilder wieder abholen, in der Gewissheit, seine hochkarätigen Werke wären andernorts bestimmt viel leichter an den Mann oder die Frau zu bringen. Der Lokalbetreiber verweigert die Herausgabe und die Sache geht schlechten Endes zu Gericht. Dort behauptet der Wirt, es stehe ihm eine Zahlung zu, entweder als Beteiligung am Erlös oder, falls nichts verkauft wird, als Mietzins für seine Gastzimmer-Wände. Hat er (in seltenen Fällen) eine Kaution an den Künstler gelegt, glaubt er, diese gleich als Mietzinse behalten zu können. Der Künstler fürchtet um seine Bilder, behauptet angebliche Beschädigungen und verlangt seinerseits Benützungsentgelt für die Hängung der Bilder. Laut aktuellem Urteil gibt ihm das Gericht tatsächlich einen Zahlungsanspruch. Weil der Prozess dauert und die Bilder über Jahre weiter im Lokal bleiben, läuft eine für den Lokalbetreiber schmerzhafte Entgeltsumme auf. Ob und wie der Künstler allerdings seine zugesprochenen „Mieten“ wirklich bekommt, ist ein anderes Kapitel.              

Leider nichts Schriftliches

Bekanntlich sind klare Vereinbarungen, besonders schriftliche, im Kunstbereich nach wie vor wenig üblich. Unterschiedliche Vorstellungen führen zur Eskalation und am Ende haben häufig alle Beteiligten einen Schaden. Beiden Seiten ist unbedingt zu raten, mindestens die folgenden Themen in einem gemeinsamen Papier vorab zu regeln:

Welche Werke werden wie lange ausgestellt?

Welchen Zweck hat die Ausstellung?

Soll vorzeitige Kündigung möglich sein?

Soll es eine Versicherung geben und wer trägt die Kosten?

Wie werden Verkaufserlöse geteilt?

Soll der Künstler für die Ausstellung zahlen oder umgekehrt der Wirt?

Wer trägt die Kosten für Transport, Montage, Vernissage/Finissage?

Zurückbehaltung der Bilder wegen Gegenansprüchen?          

 

 

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