Auktionshaus und Fälschungen

Auktionshaus und Fälschungen - Kommissionär und Sachverständiger

von Andreas Cwitkovits ("Vernissage" von 09/08)

Umgang mit Fälschungen

Die Zahl der im Umlauf befindlichen Fälschungen hat stark zugenommen. Einerseits liegt dies am boomenden Markt, andererseits dürften die am Kunstmarkt professionell tätigen Akteure mit dem Phänomen zu wenig sorgsam umgehen. Immer wieder werden Fälschungen – mehr oder weniger blauäugig – lieber nicht als solche erkannt, wenn dies dem Geschäft dienen kann. Gewöhnlich hat der private Gelegenheitskäufer oder Sammler das Nachsehen. Auktionshäuser mühen sich, ihre Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGBs) so zu gestalten, dass im Falle des Auffliegens einer Fälschung ja kein finanzieller Nachteil bei ihnen hängen bleibt. Es kommt vor, dass man bei der Übernahme zur Auktion nicht so genau hinschaut, und wenn der Käufer die versteigerte Fälschung nicht so bald erkennt, ist alles gut. Der Versteigerer hat mit Verkäuferprovision (+- 10 %) und Käuferprovision (+- 20 %) nicht schlecht verdient. Entdeckt der Käufer später die Fälschung, nimmt das Auktionshaus das Stück zurück und preist dies als kundenfreundliches Entgegenkommen. Anschließend wird der Einbringer, gelegentlich mit Betrugsvorwurf und gar Erstattung einer Strafanzeige, zur Rückzahlung des erhaltenen Auktionserlöses gedrängt. Das Auktionshaus macht zwar keinen Gewinn, zieht sich aber ohne eigene Kosten aus der Affäre.

Schadenersatzpflicht des Versteigerers

Dagegen wäre wenig einzuwenden, wenn es sich beim Einbringer um einen „Kunstprofi“ handelt, also beispielsweise einen Händler oder einen Museumsfachmann. Denn der hätte die Fälschung erkennen müssen und sollte eigene Fehler nicht an den Versteigerer abwälzen. Aber falls die Auktionshaus-AGBs genauso den privaten Laien zur Rückerstattung des Versteigerungserlöses zwingen wollen, ist Widerspruch angebracht. Immerhin präsentieren sich Auktionshäuser als kompetente Spezialisten und werben gerne mit ihrem Fachwissen. Als Sachverständige im Sinne des § 1300 ABGB können sie für Fehler verantwortlich gemacht werden. Die nicht zu knappen Verkäufer- und Käuferprovisionen sind auch Entgelt für die geschuldete fachmännische Prüfung der Versteigerungsstücke. Bei geringstem Echtheitszweifel muss das Auktionshaus den Gegenstand zurückweisen. Werden mangels Sachverstand, aus Schlamperei oder gar blauäugig Fälschungen angenommen, so wird das Auktionshaus schadenersatzpflichtig. Gewöhnlich verstreicht zwischen Einbringung und Reklamation des Käufers einige Zeit, manchmal mehrere Jahre. Müsste der Einbringer dann den Erlös herausgeben, so kann es sein, dass inzwischen der Rückgriff auf den seinerzeitigen Verkäufer des Bildes nicht mehr möglich ist. Obwohl nur das sachverständige Auktionshaus einen Fehler gemacht hat, würde der Schaden beim private Einbringer hängen bleiben. In einem aktuellen Fall ist genau dies eingetreten. Das Auktionshaus hatte die versteigerte Fälschung vom Käufer zurück genommen und will von Einbringer den Erlös zurück. Der Einbringer wiederum könnte selbst keinen Rückgriff nehmen, weil inzwischen sein damaliger Verkäufer verstorben ist und noch dazu der Nachlass für eine Kaufpreiserstattung nicht hinreicht. Das Auktionshaus hatte bei der Übernahme gepatzt und die Fälschung nicht erkannt. Zwar beschränken die AGBs die Schadenersatzhaftung des Versteigerers auf grobe Fahrlässigkeit, doch hat der Einbringer diese AGBs nie in die Hand bekommen. Schon deshalb sind die AGBs nicht Vertragsbestandteil. Noch dazu widersprechen sie weitgehend dem Konsumentenschutzgesetz. Der befasste Experte des Auktionshauses gab bei Gericht an: „Ich bin Experte auch für Bilder des Künstlers …….… Es (das Bild) hat mir zunächst nicht gefallen, weil es so „schwach“ gemalt war; ich hatte also Zweifel an der Echtheit des Bildes, ……..“. Trotzdem wurde das Bild in die Auktion genommen. Zwar verwies man auf einen angebrachten Nachlassstempel und eine Expertise der Tochter des Künstlers. Doch ändert dies nichts am groben Verschulden. Bestehen Echtheitszweifel, darf einfach nicht angenommen werden. Noch dazu, wo der Einbringer ein privater Gelegenheitskäufer ist, das Auktionshaus hingegen Werke des betreffenden Künstlers schon vielfach versteigert hat.

Echtheitsgarantie nur auf Risiko des Auktionshauses

Fehlerhaft war nicht nur die Begutachtung, sondern genauso die Rücknahme des versteigerten Bildes vom reklamierenden Käufer. Die Einbringung eines Bildes zwecks Versteigerung ist Kommissionsgeschäft, wobei der Versteigerer als Kommissionär die Auktion auf Rechnung des Einbringers durchführt. Der Kommissionär haftet als Sachverständiger. Er hat eine Förderungspflicht gegenüber dem Einbringer und muss sein eigenes Interesse, etwa betreffend  Kundenpflege, gegenüber dem Interesse des Einbringers hintanstellen. Er darf zulasten des Einbringers keine eigenmächtigen Zusagen abgeben und das Geschäft mit dem Käufer auch nicht ohne Zustimmung des Einbringers annullieren. Im hier besprochenen Fall fehlt in den AGBs eine Regelung, wonach der Einbringer der Echtheitsgarantie gegenüber dem Käufer zustimmt (Im Unterschied dazu findet sich z. B. in den AGBs des Wiener Dorotheums so eine Bestimmung). Auch sonst gab es keine Genehmigung betreffend Echtheitsgarantie zu seinen Lasten. Hingegen wurden seitens des Auktionshauses

- die Echtheit eigenmächtig gegenüber dem Käufer garantiert (wobei überhaupt fraglich und nicht unter Beweis gestellt ist, ob die AGBs gegenüber dem Käufer Vertragsinhalt wurden),

- der Einbringer von einer Reklamation nicht zeitgerecht informiert 

- seitens des Auktionshauses eigenmächtig ein Gutachten eingeholt, das das Vorliegen einer Fälschung ausdrückte.

Sollte der Einbringer dennoch zur Refundierung verhalten werden, so könnte er von seinem früheren Verkäufer den damals bezahlten Kaufpreis nicht zurückerhalten, weil

- die 2 jährige Gewährleistungsfrist inzwischen abgelaufen ist

- mangels Irrtumsverursachung durch den Verkäufer eine Irrtumsanfechtung ausscheidet,

- mangels Verschulden des Verkäufers kein Schadenersatzanspruch in Betracht kommt, und

- im Übrigen der Verkäufer inzwischen verstorben und kein ausreichender Nachlass vorhanden ist.    

Private Einbringer sollen sich auf „Kunstprofis“ verlassen können

Zusammenfassend ergibt sich im hier besprochenen Fall, dass das Auktionshaus eine allfällige Echtheitsgarantie gegenüber dem Käufer nur auf eigenes Risiko übernommen hat. Das Auktionshaus ist als Kommissionärin dem Einbringer gegenüber in der Pflicht. Ebenso nur auf eigenes Risiko wurde die Rückabwicklung der Auktion vorgenommen. Der Einbringer muss Echtheitsgarantie und Rückabwicklung nicht gegen sich gelten lassen. Selbst wenn Letzteres der Fall wäre, hätte er einen Schadenersatzanspruch als Gegenforderung. Das Auktionshaus hat durch sein Fehlgutachten die rechtzeitige Rückforderung des Kaufpreises gegenüber dem Verkäufer des Einbringers vereitelt.

 

 

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